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re:publica 2019 – Zeit für Trendspiration

03. Juni 2019
#fvfact – Dominik Studer

Wenn es um Digitales aus Medien, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Kultur und Technologie geht, ist die re:publica in Berlin das jährliche Stelldichein der weltweiten Masse – nein, der Community – aus Bloggerinnen, Aktivisten, Kreativen, Wissenschaftlerinnen und Interessierten aus allen Branchen. Wir sind jeweils mit dabei.

Dafür gibt es gute Gründe: Einerseits macht es mächtig Spass, sich von den Vibes der Spreeperle inspirieren zu lassen. Die re:publica ist von dieser Schwemme aus Ideen, interessanten Menschen und Geschichten, Eindrücken, Vernetzung – digital wie analog – und kreativer Energie quasi die dreitägige eventgewordene Essenz. Andererseits ist die Konferenz, die dank des Rahmenprogramms glatt als Festival durchgeht, ein Meer aus Fachinputs, Hintergrundwissen und Praxis. 250 Talks, Podien, Vorträge, Workshops und Hacks. Und sie dient als Trendbarometer.

Wir spielen uns hier sozusagen als Kurier auf, oder besser als Kurator. Dazu haben wir drei Höhepunkte ausgewählt, die uns wichtig erscheinen und die bei uns als echte Trendspiration hängenbleiben. Kurz zusammengefasst, mit dem Hinweis auf den ausführlichen Videobeitrag in Form der Aufzeichnung direkt aus der Station Berlin, wärmstens ans Herz gelegt. Rasch geteased heisst das: eine Utopie des Medienfachmanns schlechthin im deutschsprachigen Raum, Bernhard Pörksen, die Lehrstunde für Aufmerksame mit dem verwirrend klaren Techphilosophen Gunter Dueck und künstlich-intelligente Fallstudien aus dem Hause IBM iX, vorgeführt von Executive Creative Director Marko Thorhauer.

Noch etwas vorab: Das Motto der #rp19 lautete kurz und schnörkellos #tldr (Internetslang für too long, didn’t read). Dem möchten wir Rechnung tragen.

 

Wir bleiben so kurz wie möglich und werden nur so lang wie nötig. Und ab geht’s.

 

 

 

1. Make The Internet Great Again
(Abschied von Netzpessimismus, Bernhard Pörksen)

 

Es gehört inzwischen zum guten Ton, den Netzpessimismus zu predigen. Es herrscht digitale Endzeitstimmung als Folge des drohenden Wiedererstarkens des Faschismus, der Erosion der Demokratien, der schleichenden Verdrängung des Menschen durch Maschinen und der Diktatur des Datenkapitalismus. Medienprofessor Bernhard Pörksen zeigt Wege aus der Resignationsfalle auf. Als konkrete Utopie entwickelt er die Theorie der redaktionellen Gesellschaft. Ihm schwebt ein (digitales) Zeitalter vor, in dem Medienkonsumenten genauso Verantwortung übernehmen, wie Journalistinnen und Plattformen. Für uns User heisst das, dass wir uns zu medienmündigen Mitgliedern der (digitalen) Gesellschaft entwickeln müssen, miteinander reden und einen respektvollen, generationenverbindenden Dialog pflegen. (Exkurs: Der hilflose Umgang der CDU mit dem deutschen Youtuber Rezo.) Und dass die Auseinandersetzung mit Fakten und Fakes, Rhetorik und Argumentation bereits in der Schule beginnen muss. Es gibt noch viel zu tun.

 

 

 

 

2. Hey, Aufmerksamkeit jetzt!
(Identifikation von Bullshit und Wert, Gunter Dueck)

 

Es ist so eine Sache mit der Aufmerksamkeit. Informationsflut, komplizierte Gewichtung, Emotionen und Instinkte als mächtige Treiber, blitzschnell müssen wir über unser Interesse am Inhalt und das rasche Wegzappen entscheiden. Tausendfach innert kürzester Zeit. Die Menge an potenziell Interessantem nimmt stetig zu, während die Aufmerksamkeit das Gegenteil tut. Gibt es Rezepte, um Bullshit von Wert zu unterscheiden? Durchnittliches von Aussergewöhnlichem zu trennen? Für das wirkungsvolle Aussenden und Aufnehmen von Botschaften müssen Rezepte her. Unser Identifikations-Algorithmus zuckt, schlägt an, steuert die selektive Wahrnehmung, schaltet bei Wertvollem hoffentlich das Gehirn ein und befielt zum Bleiben. Doch wie können wir dafür sorgen, dass Bullshit ausgeblendet und Wert erkannt wird? Gunter Dueck rät zu Entschleunigung und Versachlichung. Und sorgte mit seinem Talk wie jedes Jahr für beste Unterhaltung.

Kurz zusammengefasst für Absender: Tut uns leid, Sie können leider nichts tun. Ausser das, was Sie seit jeher unter dem Titel «Gute Kommunikation» tun. Bleiben Sie sachlich und emotional, kommunizieren Sie kurz und lang, nutzen Sie Text, Bild, Grafik, Animation, Ton und die Kombination aus allem, erzählen Sie gute Geschichten, publizieren Sie diese über einen Mix aus unterschiedlichen Kanälen und, besonders wichtig, kennen Sie Ihre Zielgruppe. All die Disziplinen gehören übrigens auch zu unseren Leistungen.

Kurz zusammengefasst für Empfänger: Das wichtigste Gut ist die Aufmerksamkeit, auch für Nutzer. Um die Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, hilft Entschleunigung. Und das Bewusstsein dafür, worauf man wie reagiert. Welche Werte man weshalb für wichtig hält und welche nicht. So wird es erst möglich, Wert gegenüber Bullshit höher zu gewichten. Klingt kompliziert? Ist es leider auch. Zumindest anstrengend. Denn das eigene Instinktsystem zu erkennen und nötigenfalls anzupassen, braucht Energie. Und Sie werden feststellen: Ausserhalb der eigenen Filterblase passiert ganz viel Wertvolles.

 

 

 

 

3. Creative Director Watson

 

Künstliche Intelligenz, Learning Machines, Algorithmen sind in aller Munde. Viele Funktionen der Menschen werden in Zukunft Rechner übernehmen. Wir stellen uns natürlich die Frage, ob das für unsere Arbeit, die Kreativität im Besonderen, auch gilt. Beispiele von der Media Convention Berlin (#mcb19) zeigen: Nein. Kreative Arbeit ist vor Maschinen einigermassen sicher. Was sich ändern wird, sind Formen und Möglichkeiten der Kreativität. Künstliche Intelligenz gibt uns Kreativen neue Spielzeuge in die Hand und sie verlangt von uns, neue Technologien wie Face Recognition, Data Warehousing, Automated Deep Learning und Collaborative Data Science in unsere Denkprozesse zu integrieren. Denn an den Schnittstellen von menschlicher Empathie und maschineller Datenverarbeitung ist viel Platz für gute Ideen. Als Beispiel legen wir die Kampagne Malaria Must Die an interessierte Herzen. Reden Sie mit uns über künstliche Intelligenz und die Möglichkeiten, die sie in unserem Alltag eröffnet. Wir freuen uns über einen interessanten Austausch.

 

 

 

 

4. Recap

 

Gerne blicken wir auf die jüngste Ausgabe der re:publica zurück. Wir sind immer noch daran, die vielen Eindrücke zu verdauen und unsere Lehren zu ziehen. Wenn eines vielleicht auf den letzten Zeilen zu kurz kam, dann mag es die Stimmung unter den rund 25'000 Teilnehmenden sein. Das abschliessende Video soll hier Abhilfe leisten. Wir danken für die Aufmerksamkeit, freuen uns über anregende Rückmeldungen und interessante Gespräche.